Nr.19 Ein Liebesbrief an das Hostelleben

Vorwort: Wir sind beide sehr dankbar und glücklich darüber diese Reise machen zu können. Trotzdem gibt es das ein oder andere Wort das wir loswerden möchten- einiges davon ist ironisch/ spaßhaft zu verstehen! Als deutsche Backpacker, die jede Ausgabe penibel in einer Ausgaben-app notieren, probiert man seinen Tagesdurchschnitt an Geldausgaben natürlich bei einem Minimum zu halten. So fallen Hotels, Ferienwohnung oder gar AirBnB's natürlich raus und man findet sich in preiswerten Hostels wieder. Alle werben sie mit kostenlosem Frühstück, Gemeinschaftsaktivitäten und anderen tollen internationalen Reisenden. Die Zimmer sind geräumig, modern eingerichtet, sauber und hell. Die Küchen und andere Gemeinschaftsräume sind einladend und gut ausgestattet.

 

Doch die Realität sieht ein wenig anders aus ;)

 

Die Buchung:

Till hat während seines Aufenthaltes in Neuseelands festgestellt, dass es am besten ist die Hostels einfach anzurufen und nach einer Wochenrate oder anderen Vergünstigungen zu fragen. Hier funktioniert das so leider nicht - alles ist auf online Buchungen ausgelegt und die Preise auf den großen Buchungsseiten unterbieten die Preise auf den Hostelwebseiten immer um einiges. So vergleicht man sich also zu tode und bucht Hostel XYZ (meistens für eine Woche da man ja nie weiß wo man landet aber ständiges Umziehen auch nervig ist). Entweder freut man sich nach dieser Woche das Hostel endlich verlassen zu können oder man würde gerne länger bleiben. Nun ist es uns aber leider schon mehrfach passiert, dass wir nicht verlängern konnten da entweder einfach alles ausgebucht war, man auf ein teureres Zimmer (mit weniger Betten) hätte umsteigen müssen oder das aktuelle Zimmer nächste Woche deutlich mehr gekostet hätte und ja auch nicht mehr die Onlinepreise sondern die des Hostels gelten. Sehr sehr nervig!

 

Die Zimmer:

 

Gerade bei Zimmern mit mehr als 8 Betten ist uns aufgefallen, dass sich die freie Bodenfläche leider nicht proportional zu den Zimmergästen vergrößert sondern die Zimmer eher den Kajüten eines U-Bootes ähneln (ca. 18qm für 10 Menschen).Dies hat zufolge, dass sich sowohl Hitze als auch Geruch in den Zimmern stauen (einige Leute arbeiten auf dem Bau und riechen dementsprechend nach Schweiß und generell kann man seine Dreckwäsche/ Schuhe natürlich nicht in einem anderen Raum lagern) und die Reinigungsleute (eigentlich immer andere Hostelbewohner die für kostenlose Unterkunft arbeiten) gerne mal mit 4(!!!) verschiedenen Raum/Teppich/Anti-Ungeziefer-Sprays sprühen bis man wirklich nicht mehr atmen kann und sich eine tolle Geruchswolke bildet. Apropos Ungeziefer... da Hostels gerne mal von Bettwanzen belagert werden findet man Matratze und Kissen oft in Luftdichte Plastikfolien eingepackt wodurch sich keine Bettwanzen einnisten können. Leider sorgen diese Folien bei den Kissen jedoch dafür, dass man jene nicht mehr knautschen kann sondern sich diese wie Aufblaßkissen anfühlen. Noch einmal zurück zur Zimmergröße. Als Beispiel nochmal das 18qm 10-Bettzimmer. Die meisten Backpacker tragen einen großen Reiserucksack und einen kleinen Tagesrucksack mit sich herum - dass diese auch ihren Platz benötigen war dem Zimmerplaner auf jeden Fall nicht bewusst. Wäre mal interessant wie viele Hostelgäste sich etwas brechen, weil diese nachts im dunklen Zimmer (man will ja rücksichtsvoll sein) über Rucksäcke stolpern. Besonders nett finden wir auch, wenn man sein Duschhandtuch leicht feucht am Stockbett aufhängt (da es nirgends eine Wäscheleine oder Wäscheständer gibt) und dieses dann abends auf seinem Bett vorfindet da es von den Putzkräften abgehängt wurde. Oh ja... in einem Nassen Bett schläft es sich am besten!

 

Die Badezimmer:

 

Unser letztes Hostel hatte 250 Betten. Dass daraus resultiert warmes Wasser für 250 Gäste zu brauchen, hat aber keiner bedacht. Der Wasserdruck gleichte dem des kleinen Geschäfts und die Temperatur schwankte (ohne die Duschamaturen zu drehen) zwischen arktischer Frische und Höllenfeuer. Ach und diese komischen Gäste die zur Sauberkeit der Sanitären Anlagen beitragen wollen? Können sie vergessen! Klobürsten kann man in den meisten Hostels vergeblich suchen.

 

Die Küche:

 

 

Warum sollte man als Hostelbetreiber in mehr als einen Sparschäler, 3 kleine Töpfe oder gar Porzellangeschirr (statt der Kindervariante aus buntem Plastik) investieren, wenn man drei Eisbällchenportionierer (natürlich gibt es in keinem Hostel Gefriermöglichkeiten) und 5 Reiben haben kann? Besonders schön ist auch immer zu beobachten wie viele Gäste kochen, sich zum Essen hinsetzen und dann ganz aus Versehen (die armen sind alle soo vergesslich) vergessen ihre Sachen abzuspülen. Mutti ist 16.000 km weit weg- die kommt nicht mal kurz zum Spülen vorbei geflogen?! Auch können wir die immer noch anhaltende Faszination des Menschen für Feuer verstehen. Trotzdem ist es komisch wie oft Leute die Gasherde einfach komplett aufgedreht über Minuten vor sich hin brennen lassen - romantische Beleuchtung eventuell? Leider gibt es für die Küchen in den meisten Hostels nervige Sperrzeiten wodurch wir nun schon mehrfach auf der Straße gegessen haben - aber was treiben wir uns auch so lange rum und haben nicht bis spätestens 22 Uhr gegessen?

 

Das Frühstück:

 

WIR VERMISSEN DEUTSCHES BROT!!! Wirklich... es reicht dann irgendwann mal mit Weißmehltoast. Besonders toll finden wir die Hostels bei denen Frühstücksraum und normaler Essensraum/Küche nicht der selbe sind und man mit seinen Toastscheiben einmal quer durch das ganze Hostel laufen darf um diese zu Toasten. Auch ist die Devise bei jedem Hostelfrühstück "Geiz ist geil" und es wird an allen Ecken gespart. Aber was möchte man für 17-20€ pro Nacht und Nase auch erwarten.

 

Die anderen Gäste:

 

Ach wie gerne würden wir doch nur mal ein internationales Hostelpublikum vorfinden. Leider haben bisher in allen Hostels deutsche Gäste (und somit die deutsche Sprache) dominiert. Oft bieten Hostels auch Langzeitaufenthalte an, wodurch die Demographie oft wie folgt aussieht: 80% Backpacker zwischen 18 und 25 Jahren und 20% Langzeitgäste die alle über 35 jährige, gescheiterte, komische Gestalten sind.

 

Drogen:

 

Natürlich behaupten die meisten Hostels von sich keine Partyhostels zu sein und eine strenge Drogenpolitik zu haben... wir lachen dann mal. Wir lachen wegen der Ironie, die anderen Hostelgäste weil hier Lachgasballoons sehr im Trend liegen. Auch glauben wir, dass viele Backpacker wirklich ein kleines Alkoholproblem haben da hier jeden Abend exzessiv Getrunken wird. Zwar keinen Schnaps aber dafür Wein aus 5 Liter Tetrapacks mit Zapfhahn. Diesen nennt man hier "Goon" und nach einem Liter davon hat man auch gut einen sitzen.

 

Ich hoffe, dass dieser Artikel mit Humor aufgefasst wird. Manches kann man sich ohne Hostelerfahrung gar nicht vorstellen. 

Kommentare: 17
  • #17

    Bernd (Montag, 20 Mai 2019 09:53)

    Wow..... beeindruckende Zusammenfassung. Viel Glück und Spaß für die weiteren Pläne!

  • #16

    Bernhard (Freitag, 19 April 2019 15:46)

    Wie heißt die Pflanze, die tödlich ist, wenn man sich 5 min unter ihr aufhält?
    .
    .
    .
    Die Seerose! ;-P

  • #15

    Bernhard (Freitag, 19 April 2019 15:43)

    Sehr schöne Bilder! Danke!
    Viel Schbass noch & liebe Grüße aus good old fucking germany!

  • #14

    Bernd (Montag, 08 April 2019 09:29)

    Hallo Lea, hallo Till, danke für diese Einsichten. Ist ja echt toll, dass Muttis geflogen kommen um zu spülen...
    Spaß beiseite: gönnt ihr euch alle paar Wochen mal eine Pension oder ein Hotel? Damit ihr wieder fit seid für's Hostel-Leben?
    Ich würde mal ernsthaft darüber nachdenken.
    Liebe Grüße und dennoch viel Spaß down under!

  • #13

    ‏‏‎ ‏‏‎ ‏‏‎ ‏‏‎ (Sonntag, 24 März 2019 10:53)

    Brauchen dringend mehr Bilder von Till. Grüße

  • #12

    Bernhard (Samstag, 02 März 2019 23:48)

    Hey Lea! (ich nenn Dich einfach weiter so - oder Du teilst mir mal Deinen Lieblingsnamen mit - danach gefragt hab' ich schon...)
    Im Commonground gefällt's mir! Permakultur is eh mein Ding!
    Wie geht's Dir?
    Gib mir mal bitte ein Lebenszeichen auf WA oder Fartbook.
    Euer neuer Wohnort scheint gut zu tun.
    Fühl' Dich lieb gedrückt!

  • #11

    Lena (Mittwoch, 06 Februar 2019 12:18)

    Hallo ihr zuckersüßen Menschen,
    Ich schicke euch eine feste Umarmung und wünsche euch eine wunderschöne Zeit!

  • #10

    Oma Else (Montag, 21 Januar 2019 09:26)

    Na,dann wünsch ich euch viele,viele glückliche Minuten,Stunden,Tage,Wochen,Monate,Jahre

  • #9

    Bernd (Montag, 14 Januar 2019 11:04)

    Herzlichen Glückwunsch!
    Der Strand ist ja auch besser als ein "Ja-Nein"-Zettel und ein weißes Pferd - großartige Szenerie, wow.
    Liebe Grüße

  • #8

    Moni (Dienstag, 27 November 2018 20:37)

    Hallo ihr Lieben,
    tolle Bilder, hoffe es geht euch gut,
    denke oft an euch.
    Weiterhin eine erlebnisreiche (Vorweihnachts )Zeit.
    LG. Moni

  • #7

    Papa (Samstag, 17 November 2018 17:57)

    Tolle Bilder mein schatz Grüsse aus dem kalten Winter

  • #6

    müb. (Montag, 12 November 2018 19:06)

    Halb so wild! Von Wachenheim an der Weinstraße nach Melbourne sind es ja nur 16.368,53 km. Hoffe, Ihr kommt gut (noch) weiter!

  • #5

    Carina (Donnerstag, 08 November 2018 09:15)

    Alles Liebe und Gute Ihr 2!!

  • #4

    Der alte perverse Sack ;-) (Mittwoch, 07 November 2018 22:29)

    Mutig mutig, aber GENAU richtig ! Ich hab's damals leider versäumt in dem Alter...

  • #3

    Else (Mittwoch, 07 November 2018 19:57)

    Guten Flug, ich drück euch die Daumen

  • #2

    Bernd (Mittwoch, 07 November 2018 18:15)

    Ich helfe noch die letzten Sachen in den Rucksack zu stopfen ;-)

  • #1

    Omesh (Mittwoch, 07 November 2018 18:03)

    SooS