Nr.22 Typisch australisch! Teil 1

„Die tägliche Erfahrung lehrt, daß diejenigen, welche viel reisen, an Urteilskraft gewinnen; daß die Gewohnheit – fremde Völker, Sitten und Gebräuche zu beobachten, den Kreis ihrer Ideen erweitert und sie von manchen Vorurteilen befreit.“ François Pierre Guillaume Guizot

Eine von vielen Motivationen beim Reisen ist es, eine neue Kultur, ein neues Land kennen zu lernen. Schnell fängt man an zu vergleichen, was haben dieser Ort und mein Zuhause gemeinsam, was ist anders, was werde ich zurück Zuhause vermissen und womit konnte ich mich nicht so recht anfreunden. Dieser Blog-Artikel soll genau dies thematisieren. Was ist für uns nach 6 monatigem Aufenthalt "typisch australisch"? Da uns sehr viel zu diesem Thema eingefallen ist, werde ich das ganze in mehrere Einträge unterteilen. Heute soll es zunächst einmal um verschiedene Kategorien gehen und im nächsten Eintrag um die Themen Essen und Einkaufen. 

#1 Verkehr und Autos 

Allgemein bekannt dürfte sein, dass man "hier unten" auf der anderen Straßenseite fährt, es herrscht Linksverkehr. Ansonsten sind die Verkehrsregeln jedoch weitestgehend gleich wie in Deutschland. Nur Kreisel stellen noch eine Ausnahme da. In Deutschland blinkt man, (wie hoffentlich bekannt- nur zur Verdeutlichung)wenn man sich schon im Kreisel befindet, kurz vor der jeweiligen Ausfahrt nach rechts. Hier in Australien blinkt man, schon vor dem Kreisel, nach links- wenn man nach links abbiegen  möchte, nach rechts- wenn man nach rechts abbiegen möchte oder garnicht- wenn man den Kreisel auf der gegenüberliegenden Ausfahrt verlassen möchte.  Von deutschen Autobahnen mit unbegrenztem Tempo können Australier nur träumen. Die maximale Höchstgeschwindigkeit beträgt 110km/h. Highways (das Gegenstück zu deutschen Autobahnen) haben selten mehr als 2 Spuren pro Richtung und gleichen eher den deutschen Landstraßen. Während die meisten Autos in Deutschland in die Kategorien Kleinwagen und Kombi einzuteilen sind, setzen Australier auf Geländewagen (was angesichts der Straßen auch durchaus angebracht ist), Pick-ups und UTEs. UTEs sind eine australische Sonderform des Pick-ups. Man kann sich das ganze vorstellen als ein Fahrzeug, welches vorne nach Sportwagen mit 2 sitzen aussieht aber hinten eine Ladefläche besitzt. Da befestigte, beleuchtete Straßen hier in Australien sehr schnell ein Ende finden sind viele Autos außerdem mit großen Scheinwerfer und Kuhfänger ausgestattet um sich und das Auto vor Wildunfällen zu schützen. Auch sieht man hier im Durchschnitt deutlich ältere Autos als in Deutschland und man könnte sagen, dass Australier nicht sehr auf ihre Autos achten da. man wirklich lange suchen muss, um ein Auto ohne Dellen und Blechschaden zu finden. 

#2 Wasser 

In Australien sieht man es als natürlich an, dass Menschen wegen der Hitze (und natürlich auch einfach so) Durst haben. Anders als in Deutschland probiert man damit kein großes Geschäft zu machen denn wo man geht und steht hat man Zugang zu kostenlosen Wasserspendern. Restaurants sind sogar ebenfalls dazu verpflichtet ihren Gästen kostenloses Wasser anzubieten (einer der Gründe dafür sind jedoch auch die Alkoholgesetze- man soll sich nicht aus Durst mit Alkohol betrinken müssen). Leider haben wir sie nicht gezählt aber auf unsere Reise sind uns sicherlich 20 verschiedene Wasserspender Modelle unter die Augen gekommen. Manche wirklich multifunktionell (mit separaten Hahn für Wasserflaschen oder einem integrierten Hundenapf) und andere unpraktische Designerstücke. Eine negative Sache am Australischen Wasser ist jedoch, dass dieses überall gechlort ist und dementsprechend bescheiden schmeckt. Besonders schlimm war es in Melbourne weil man wirklich dachte Schwimmbadwasser zu trinken.

#3 Kostenlose Angebote 

Neben dem eben erwähnten Trinkwasser gibt es vieles in Australien was kostenlos geboten wird. Da man an vielen Stellen in Australien aufgrund der Quallen, Haie und Krokodile nicht schwimmen darf gibt es vielen Städten so genannte "Lagunen". Damit gemeint sind kostenlose Schwimmbäder, oft direkt am Meer/Strand und teilweise so konstruiert, dass sie mit Meerwasser gefüllt und ständig von diesem überschwemmt werden. Auch muss man in Australien nirgends (auch nicht an Raststätten) für eine öffentliche Toilette bezahlen. Oft findet man in Strandnähe große sanitäre Anlagen mit Duschen in der Austattung denen von deutschen Thermen gleichen. Generell sind sowohl Toiletten als auch Duschen deutlich sauberer als in Deutschland. Gerade in Melbourne gab es so ziemlich jedes Wochenende kostenlose Festivals und wir haben generell das Gefühl hier kostenlos deutlich mehr unternehmen zu können (mag natürlich auch daran liegen, dass wir hier in Touristengebieten unterwegs sind).

#4 Funk

Dieser Punkt ist uns nur aufgefallen, da sich Tills Armbanduhr bei Ankunft im November nicht selbstständig umgestellt hat. Es gibt einfach keinen Sendemast der bis nach Australien reicht und niemand wollte das Geld investieren hier einen zu errichten. 

#5 Baustil 

Geschichtlich und klimatisch bedingt unterscheidet sich der Baustil von Häusern in Australien deutlich von dem in Deutschland. Ich würde es weitestgehend als eine Mischung aus Kolonialstil und dem was man aus amerikanischen Kinofilmen kennt beschrieben. Vieles ist auf ein deutlich wärmeres, tropischeres Klima ausgelegt, statt Heizungen findet man überall nur Klimaanlagen und statt gemauerten Häusern ist das meiste hier in Leichtbauweise mit Holz. Um so nördlicher wir gereist sind ist uns auch die Vielzahl von Häusern auf hohen Stelzen aufgefallen (als Schutz vor Überschwemmungen). Auch nimmt das Thema Fertighäuser hier ganz andere Ausmaße ein. In praktisch jedem Industriegebiet sieht man kleine Fertighäuser welche so gekauft und im ganzen mit einem LKW auf ein beliebiges Grundstück transportiert werden können. Da Australien so groß ist fallen die Grundstücke hier auch in ganz anderen Dimensionen aus. Es ist im ländlichen Bereich völlig normal ein mehrere Hektar großes Grundstück zu haben. Daraus folgt auch, dass man eigentlich nie Wohnhäuser mit mehr als 2 Stockwerken oder gar Mehrfamilienhäuser sieht. Anders als in Deutschland baut man viel in die Breite und wenig in die Höhe. 

#6 Fußgänger

In Australien sind Gehwege deutlich schlechter ausgebaut als in Deutschland. Aufgrund der großen Distanzen hat man in Australien einfach ein Auto und darauf ist auch alles ausgelegt (es gibt sogar Drive in Getränkemärkte und Apotheken). Laufen ist hier ungewöhnlich und man wird sehr doof dafür angeschaut. Da wir nun mal kein Auto, viel Zeit und Neugier haben wie die Geschäfte hier aussehen, ist es für uns nicht ungewöhnlich mal zu Ikea oder einem Baumarkt zu laufen. Oft gibt es außerhalb der Stadtzentren einfach gar keine Fußgängerwege. 

Kommentare: 17
  • #17

    Bernd (Montag, 20 Mai 2019 09:53)

    Wow..... beeindruckende Zusammenfassung. Viel Glück und Spaß für die weiteren Pläne!

  • #16

    Bernhard (Freitag, 19 April 2019 15:46)

    Wie heißt die Pflanze, die tödlich ist, wenn man sich 5 min unter ihr aufhält?
    .
    .
    .
    Die Seerose! ;-P

  • #15

    Bernhard (Freitag, 19 April 2019 15:43)

    Sehr schöne Bilder! Danke!
    Viel Schbass noch & liebe Grüße aus good old fucking germany!

  • #14

    Bernd (Montag, 08 April 2019 09:29)

    Hallo Lea, hallo Till, danke für diese Einsichten. Ist ja echt toll, dass Muttis geflogen kommen um zu spülen...
    Spaß beiseite: gönnt ihr euch alle paar Wochen mal eine Pension oder ein Hotel? Damit ihr wieder fit seid für's Hostel-Leben?
    Ich würde mal ernsthaft darüber nachdenken.
    Liebe Grüße und dennoch viel Spaß down under!

  • #13

    ‏‏‎ ‏‏‎ ‏‏‎ ‏‏‎ (Sonntag, 24 März 2019 10:53)

    Brauchen dringend mehr Bilder von Till. Grüße

  • #12

    Bernhard (Samstag, 02 März 2019 23:48)

    Hey Lea! (ich nenn Dich einfach weiter so - oder Du teilst mir mal Deinen Lieblingsnamen mit - danach gefragt hab' ich schon...)
    Im Commonground gefällt's mir! Permakultur is eh mein Ding!
    Wie geht's Dir?
    Gib mir mal bitte ein Lebenszeichen auf WA oder Fartbook.
    Euer neuer Wohnort scheint gut zu tun.
    Fühl' Dich lieb gedrückt!

  • #11

    Lena (Mittwoch, 06 Februar 2019 12:18)

    Hallo ihr zuckersüßen Menschen,
    Ich schicke euch eine feste Umarmung und wünsche euch eine wunderschöne Zeit!

  • #10

    Oma Else (Montag, 21 Januar 2019 09:26)

    Na,dann wünsch ich euch viele,viele glückliche Minuten,Stunden,Tage,Wochen,Monate,Jahre

  • #9

    Bernd (Montag, 14 Januar 2019 11:04)

    Herzlichen Glückwunsch!
    Der Strand ist ja auch besser als ein "Ja-Nein"-Zettel und ein weißes Pferd - großartige Szenerie, wow.
    Liebe Grüße

  • #8

    Moni (Dienstag, 27 November 2018 20:37)

    Hallo ihr Lieben,
    tolle Bilder, hoffe es geht euch gut,
    denke oft an euch.
    Weiterhin eine erlebnisreiche (Vorweihnachts )Zeit.
    LG. Moni

  • #7

    Papa (Samstag, 17 November 2018 17:57)

    Tolle Bilder mein schatz Grüsse aus dem kalten Winter

  • #6

    müb. (Montag, 12 November 2018 19:06)

    Halb so wild! Von Wachenheim an der Weinstraße nach Melbourne sind es ja nur 16.368,53 km. Hoffe, Ihr kommt gut (noch) weiter!

  • #5

    Carina (Donnerstag, 08 November 2018 09:15)

    Alles Liebe und Gute Ihr 2!!

  • #4

    Der alte perverse Sack ;-) (Mittwoch, 07 November 2018 22:29)

    Mutig mutig, aber GENAU richtig ! Ich hab's damals leider versäumt in dem Alter...

  • #3

    Else (Mittwoch, 07 November 2018 19:57)

    Guten Flug, ich drück euch die Daumen

  • #2

    Bernd (Mittwoch, 07 November 2018 18:15)

    Ich helfe noch die letzten Sachen in den Rucksack zu stopfen ;-)

  • #1

    Omesh (Mittwoch, 07 November 2018 18:03)

    SooS